Schweizermeisterschaften Degen, Zug, 29.–30.November 2008
Benjamin Steffen von der Fechtgesellschaft Basel war an den Schweizer Meisterschaften der Degenfechter in Zug mit zwei Goldmedaillen der grosse Abräumer. Der Küssnachter Max Heinzer will ihm bald den Platz an der Sonne streitig machen.
Am vergangenen Wochenende zeigten die Degenfechterinnen und -fechter von der Fechtgesellschaft Basel, dass gegen sie momentan kein Kraut gewachsen ist. An den Schweizer Meisterschaften der Senioren in Zug gewannen die Basler insgesamt vier Medaillen (2 Gold, 1 Silber, 1 Bronze), wobei der 26-jährige Benjamin Steffen mit seinen Titelgewinnen sowohl im Einzel als auch in der Mannschaft der Dominant war.
«Ich will an den Weltmeisterschaften eine Medaille gewinnen»
Der Titelverteidiger setzte sich im Feld der 81 Fechter mit einer fast unglaublichen Leichtigkeit durch. Einzig im Final
gegen seinen Teamkollegen und Newcomer Florian Staub musste der Englisch-Student bis zum letzten Treffer (15:14-Sieg)
zittern. «Es ist immer sehr schön zu gewinnen, aber ich habe in diesem Jahr noch viel höhere Ziele. Ich
will an den Weltmeisterschaften eine Medaille gewinnen», sagte Steffen nach dem Gewinn der Goldmedaille im Einzel.
Nach dem Rücktritt des ehemaligen Olympiasiegers Marcel Fischer kommt scheinbar nun die Zeit des bereits sehr erfolgreichen Baslers. In Zug war er seiner Konkurrenz hoch überlegen, denn auch im Teamwettkampf, wo die Basler ihre Erzfeinde vom Fechtclub Bern mühelos mit 45:39-Treffern besiegten, war es Steffen, der mit seiner momentanen Stärke die Kohlen aus dem Feuer holte. Einerseits ist es mit Sicherheit Fischers Rücktritt, dank dem Steffen nun endlich aus dem Schatten des Olympiasiegers treten kann, anderseits ist es aber auch die Verpflichtung der beiden neuen Nationaltrainer Angelo Mazzoni und Gianni Muzio. Die beiden Italiener bringen einen komplett neuen Fechtstil in die Schweizer Fechtszene. Ein Fechtstil, der sehr vielen Nationalfechtern zu passen scheint.
«...leider reichte es wieder nicht um einen einzigen Treffer»
Ebenfalls auf dem Vormarsch ist der 21-jährige Küssnachter Max Heinzer.
Eigentlich wollte er in Zug vor heimischem Publikum endlich seine erste SM-Medaille im Einzel gewinnen, doch leider stand
ihm einmal mehr der Genfer Valentin Marmillod im Weg. Bereits zum vierten Mal in Serie musste sich Heinzer an einer Schweizer
Meisterschaft dem Genfer mit 14:15-Treffern geschlagen geben. «Es ist schon sehr frustrierend, wenn ich immer gegen
Valentin rausfliege. Ich habe so sehr gehofft, dass ich mit der Unterstützung des Publikums das Glück auf meine
Seite zwingen kann, doch leider reichte es wieder nicht um einen einzigen Treffer», sagte Heinzer, der im Einzel
schliesslich den 6. Platz erreichte.
Dafür steigerte sich Heinzer, der oft auch beim Zuger Fechtclub trainiert, im Mannschaftswettkampf und zeigte vor allem auch im Final gegen den Fechtclub Bern eine beeindruckend starke Leistung. Max Heinzer, dem der neue italienische Fechtstil als ehemaliger Florettspitzenfechter sowieso entgegenkommt, darf sich berechtigte Hoffnungen machen, dass sein grosses Traum, die Teilnahme an den olympischen Sommerspielen 2012 in London, in Erfüllung geht.
«Ich habe keine Ziele mehr.»
Bei den Frauen überraschte die Zugerin Miriam de Sepibus. mit einem ausgezeichneten
5. Platz das heimische Publikum. Die Zugerin erklärte nach der Schweizer Meisterschaft ihren Rücktritt vom Spitzensport.
«Ich habe keine Ziele mehr. Um im Weltcup etwas zu erreichen, müsste ich viel mehr trainieren können,
aber dafür reicht mir die Zeit nicht und regional habe ich schon alles gewonnen», sagte sie nach ihrem Abschiedsturnier
in Zug.
Somit entsteht in der Zentralschweizer Fechtszene eine grosse Lücke bei den Frauen, wobei noch nicht absehbar ist, wer diese Lücke wirklich zu schliessen vermag. Bei den Männern ist es Max Heinzer, der beste Aussichten hat, im nationalen und internationalen Ranking weiter nach oben zu klettern.
Eine weiteres sehr gutes Resultat aus Zuger Sicht erzielte die Mannschaft mit Tobias Bollmann, der übrigens im Einzel guter 16. wurde, Simon Balmer, Severin de Sepibus und Daniel Capaldo. Das Team kämpfte hervorragend und stiess unter den 20 Mannschaften bis ins 8er-Tableau ein. Dies haben die vier Zuger dank einem sehr knappen Sieg gegen Genf erarbeitet. Im Viertelfinal gegen die nachmaligen Schweizer Meister FG Basel I hatten sie dann aber keine Chance mehr. Trotzdem, Tobias Bollmann erzielte gegen Schweizer Meister Benjamin Steffen viele Punkte und konnte das Duell mit 6:5 Treffern gewinnen. In der Gesamtwertung mussten die Zuger aber als deutliche Verlierer vom Platz gehen. Trotzdem, der 7. Platz ist ein glänzendes Resultat.
- Patric Stalder
Links zu den vollständigen Ranglisten von der Degen-SM 2008